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„Wir können uns nur selbst schlagen“

Andy Forster und Michael Seidl

Dingolfinger Anzeiger

Aufstieg als Ziel: EVD-Trainer Gary Clark im Interview vor dem Beginn der Meisterrunde

Ungewöhnlich offensiv erklärten die Verantwortlichen des EV Dingolfing vor der Landesligasaison, dass der Aufstieg in die Bayernliga das große Ziel sei. Dafür holten die Isar Rats nicht nur den einen oder anderen oberligaerfahrenen Spieler, sondern auch den ehemaligen DEL-Trainer Gary Clark. Mit dem kanadischen Trainer soll es kontinuierlich bergauf gehen. Nach der erfolgreichen Vorrunde, die der EV Dingolfing wahrscheinlich auf dem ersten Tabellenplatz beenden wird, sprach die Heimatzeitung mit dem „Ratten-Dompteur“ über die wechselhafte Vorrunde, der Auswärtsschwäche und natürlich über die ehrgeizigen Ambitionen in der Meisterrunde.

Ein angenehmer Zeitgenosse: EVD-Coach Gary Clark im launigen Gespräch mit der Heimatzeitung. (Foto: Christine Daxl, DA)

Herr Clark, Sie sind seit mittlerweile knapp fünf Monaten in Dingolfing. Wie gefällt es Ihnen im beschaulichen Niederbayern?
Gary Clark: Dadurch dass ich schon einmal in Niederbayern wohnhaft war, kenne ich die Gegend. Aber es gefällt mir hier sehr gut, die Mentalität der Menschen und die Einstellung der Mitarbeiter beim EVD ist hervorragend. Von der Stadt habe ich bisher vor allem die Eishalle gesehen (lacht). Ich selbst komme auch aus einem kleineren Ort in Kanada, daher fühle ich mich im überschaubaren Dingolfing sehr wohl.

Sie haben bis dato ausnahmslos mit Profispielern zusammengearbeitet. Was hat Sie an dieser Aufgabe bei einem Eishockey-Landesligisten gereizt?
Gary Clark: Die Vorstandschaft des EVD hat mich mit ihrem Zukunftsplan überzeugt. Sie wollen Schritt für Schritt wieder etwas aufbauen und nicht alles auf einmal erledigen. Unter den Vorstandschaftsmitgliedern sind auch einige der Spieler, die gute Ideen haben und ehrgeizig sind. Rein sportlich wurde auch eine sehr gute erste Mannschaft zusammengestellt, die mit reichlich Ambitionen Eishockey spielt.

Wie schwer ist es in manchen Situationen als Trainer ruhig zu bleiben. Zum Beispiel, wenn der Spieler wegen der Arbeit nicht zum Auswärtsspiel mitreisen kann. Das sind ja völlig neue Welten für Sie als Chef an der Bande.
Gary Clark: Das ist zugegebenermaßen natürlich schwer für den Coach. Seitdem ich hier bin, arbeite ich viel mehr mit Bleistift und Radiergummi als früher (lacht). Ab und zu ist es natürlich frustrierend, wenn man sich die Reihen schon zusammengestellt oder sich ein Trainingsprogramm erdacht hat, und dann plötzlich zwei bis drei Spieler fehlen. Man muss dann einfach improvisieren.

Wie finden Sie, nach fast absolvierter Vorrunde, das Niveau in der fünfthöchsten Eishockeyliga in Deutschland?
Gary Clark: Das Niveau ist eigentlich sehr gut, viele Einzelspieler haben großes Talent. Die ganze Liga will Tore schießen, weil sie als Amateure auf dem Eis natürlich Spaß haben wollen. Jedes Team hat mindestens einen Block mit Spielern, auf die man richtig aufpassen muss.

Könnte man die Isar Rats als launische Diva bezeichnen? In den Heimspielen hält man sich bis dato schadlos; auswärts gab es teilweise deftige Packungen.
Gary Clark: Wenn ich das wüsste, wäre ich wahrscheinlich nicht hier (lacht). So ist der Sport, man kann einfach nicht immer alles erklären. Allgemein fangen wir im ersten Drittel immer gut an. Je länger ein Spiel ausgeglichen bleibt, desto mehr Vertrauen gewinnt der Gegner in die eigenen Fähigkeiten, sodass es für uns dann im Umkehrschluss schwerer wird. Wenn wir zurückliegen, wollen wir sofort ausgleichen, und öffnen die Defensive zu sehr. Die Mannschaft macht sich oft auch zu viel Druck, offensiv erfolgreich zu sein. Zum Eishockey gehört oft aber auch die notwendige Geduld, um auch knappe Vorsprünge zu verteidigen.

Wie können Sie einem Leser erklären, dass der EV Dingolfing in Moosburg 1:8 verliert und wenige Tage später im Heimspiel 8:1 gewinnt?
Gary Clark: Ich möchte ein bisschen ausholen. Am Sonntag zuvor gegen Waldkirchen haben wir unser wahrscheinlich bestes Spiel der Saison gezeigt, am Dienstag darauf das beste Auswärtsspiel der Hauptrunde. Zwei Tage später in Moosburg haben wir uns dann ein großes Ei gelegt, aber Moosburg hat auch sehr gut gespielt. Sobald wir in Rückstand waren, ist die Mannschaft etwas in Panik geraten und wollte sofort ein Tor schießen. Zum Heimspiel gegen Moosburg: Zum einen bin ich ein Eishockey-Purist und so eine Niederlage sollte nicht passieren. Zum anderen war es die Mannschaft selbst, die nach einer derartigen Niederlage sauer ist. Ich habe das Team in der Kabine vor dem Heimspiel erinnert, dass keiner alleine auf dem Eis ist und jeder auch seine Mitspieler mitzutragen hat. Die Spieler waren aber auch unzufrieden mit sich selbst und wollten für die Fans ein anderes Gesicht zeigen.

In der Meisterrunde geht es um den Aufstieg in die Bayernliga. Hier wird vor allem solides Defensiv-Eishockey gefragt sein. Müssen die Stürmer sich auf die eine oder andere klare Ansage des Trainers einstellen?
Gary Clark: Ich vergleiche Eishockey mal mit Snooker: Wenn man dort seine Kugeln nicht unterbringt, muss man immer noch daran denken, dem Gegner mit der weißen Kugel keine leichten Möglichkeiten zu bieten. So ist es auch auf dem Eis: Wenn unser Offensivspiel nicht funktioniert, müssen wir uns besser auf das defensive Kollektiv konzentrieren. Niemand geht aufs Eis um zu verlieren, aber es braucht immer eine allgemeine Checkliste, die zum Beispiel beinhaltet, wann die Scheibe geklärt werden muss, dass keine dummen Strafzeiten passieren dürfen und so weiter. Wir sind grundsätzlich aber die einzige Mannschaft, die uns schlagen kann. Wir sind offensiv geprägt, haben talentierte und erfahrene Leute und daher glaube ich, dass die Mannschaft im Hinterkopf schon auf den Beginn der Meisterrunde wartet.

Was halten Sie generell davon, dass die Meisterrunde nun mit den Mannschaften aus der Vorrunde bestückt ist?
Gary Clark: Es hätte mich sehr gefreut, auch gegen andere Teams zu spielen. Auf der einen Seite kennt man nun die Schwächen der anderen Mannschaften, auf der anderen Seite kennen auch die anderen Teams dich besser. Persönlich hätte ich mich über eine Mischung aus den beiden Landesligen gefreut, aber wir müssen vor allem an uns selbst und unsere Aufgaben denken. Wenn wir uns darauf konzentrieren, haben wir gute Chancen, weiterhin erfolgreich zu sein.

Der EV Dingolfing hat sich vor Kurzem mit David Michel einen weiteren hochtalentierten Kontingentspieler geholt. Wie zufrieden sind Sie bisher mit ihm?
Gary Clark: David macht seine Sache gut. Es war für ihn einfach, sich in die Mannschaft zu integrieren, weil er vor zwei Jahren schon einmal hier gespielt hat und sich vor allem mit David Bilek sehr gut versteht. Er ist eine weitere „Waffe“ in unserem Offensivspiel, weil er technisch sehr versiert ist und zudem ein Spiel sehr gut lesen kann.

Wer war für Sie in der Saison bisher die prägendste Figur im Dress des EV Dingolfing?
Gary Clark: Das ist wirklich schwer zu sagen, aber ich bin zum Beispiel ein Fan von Alex Janzen und Waldi Detterer. Sie sind zwar nicht mehr ganz so schnell (lacht), aber bringen eine Siegermentalitität in die Kabine. Zudem haben mich auch Spieler wie Dominik Schindlbeck oder Dominik König überzeugt. Ein Marco Sedlar spielt bis dato auch eine hervorragende Saison. Die Frage ist wirklich sehr schwer. Zudem ist Eishockey ein Mannschaftssport.

Der Aufstieg ist das große Ziel. Wie groß schätzen Sie dafür die Chancen ein?
Gary Clark: Es gibt auf jeden Fall keine Garantie, weil so viele Faktoren für den Erfolg eine Rolle spielen. Du brauchst in solchen Spielen auch ein wenig Glück. Wir sind offensiv in dieser Liga sehr gut besetzt. Letzten Endes können wir uns nur selbst schlagen, wenn wir unsere Leistung abrufen. Auf jeden Fall freue ich mich auf diese besonderen Spiele und ich bin mir sicher, dass die Mannschaft in der Meisterrunde ihr Potential voll und ganz abrufen wird.

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